
Musica
Stefan Müller zeigt auf der Chororgel und dem Claviorganum, wie Telemann und die Bach-Söhne C.P.E. und W.F. Bach die formale Strenge des Barocks aufbrachen, um in der Fantasie einen Weg in völlig neue, emotionale Ausdrucksformen zu finden.
Telemann, der Superstar des Spätbarocks, dessen Ruhm viel grösser war als jener von J. S. Bach, war der Patenonkel von C.P.E. Bach (Bachs zweiter Sohn), der Telemann in Hamburg ablöste. Telemann protegierte ihn Zeit seines Lebens.
Doch auch W.F. Bach (Bachs erster Sohn) erfuhr Unterstützung. Telemann, der stets mit der Zeit ging, komponierte bereist ab 1725 im modernen, postbarocken Stil und war daher mit der musikalischen Sprache der Bach-Söhne kompatibel.
Eine besondere Rolle nimmt in dieser Generation die Fantasie ein, die viele Freiheiten ermöglicht, um der formalen Strenge des Barocks zu entfliehen. Während die Fantasie bei Telemann vom höfischen Menuett, über volkstümliche Tänze bis zu fugierenden Stücken alles beinhalten kann, sich aber auf engstem Raum bewegt, tendieren die ausschweifenden Fantasien von C.P.E. Bach zum empfindsamen, während, jene von W.F. Bach zur Bizarrerie, zur Groteske, zum Sturm und Drang neigen, deren Zerrissenheit auch heute noch modern wirkt.
Stefan Müller, Chororgel und Claviorganum Texte: Karin Klemm.
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