
Musique
Die Beethovin – Emilie Mayer zwischen Sturm und Faust
Emilie Mayer (1812–1883) war eine exakte Zeitgenossin Franz Liszts (1811–1886). Sie galt bereits ihren Zeitgenossen als «die weibliche Beethoven» – ein Beiname, der auf ihre grosse Ernsthaftigkeit, ihre orchestrale Klavierbehandlung und ihre innere Dramatik verweist. Mit ihrer viersätzigen d-Moll-Sonate knüpft sie unmittelbar an die Sonatentradition Beethovens an und stellt sich bewusst in jene Linie, die Beethoven mit seiner «Sturm»-Sonate eröffnet hatte. Liszt wiederum schuf mit der Faust-Symphonie und den «Faust-Walzern» klingende Denkmäler der goetheschen Tragödie. Im Nachlass Liszts fand sich sogar ein Autograph eines Quintetts von Emilie Mayer – ein Hinweis auf ihre Präsenz im geistigen Umfeld der europäischen Musikgrössen. Dieses Programm bringt die Fäden zusammen: Beethovens «Sturm», Liszts Faust-Visionen, und schliesslich Mayer – die Beethovin –, die am Ende selbstbewusst das Wort ergreift und eine weibliche Stimme in der grossen d-Moll-Tradition erklingen lässt.
Lisa Maria Schachtschneider ist Konzertpianistin und Diplom-Musikpädagogin, Künstlerische Co-Leitung der Konzertreihe KISSS (Konzert-Kunst-Kultur-Kirche in Sennwald-Salez-Sax) und arbeitet an der Musikschule Oberrheintal.