
Musik
Das Konzertprogramm „Pariser Kathedralen und Boulevards“ ist ein musikalischer Spaziergang, der den Zuhörer direkt ins Herz von Paris führt, wo die ehrwürdige Ruhe der Kathedralen mit dem Strassenlärm und der Hektik der Stadt abwechselt. Notre Dame, Sacré-Cœur, Pont Neuf, Eiffelturm und andere bekannte Sehenswürdigkeiten von Paris erscheinen vor den Zuhörern wie musikalische Grusskarten und spiegeln den Geist und die Grösse dieser Metropole wider.
Neben der grossartigen architektonischen Seite tragen alle Pariser Kathedralen und Kirchen auch ein ungewöhnlich reiches musikalisches Erbe in sich, das mit den dort befindlichen Orgeln und den sich daraus entwickelnden Orgel-, Organisten-Komponisten-Schulen verbunden ist. Die meisten dieser Orgeln wurden von Aristide Cavaillé-Coll gebaut, der – 1811 geboren – dem Orgelbau viele Neuerungen bescherte. U.a. ermöglichte die neu erfundene Barker-Maschine, monumentale Instrumente mit leichtem Toucher zu spielen. Vor allem aber schuf er ein völlig neues Klangspektrum orchestraler Klangfarben, das die Basis für einen symphonischen Orgelstil legte.
Von nun an konnte die Orgel das gesamte Orchester und seine verschiedenen Instrumentengruppen nachahmen. Die Eröffnungsnummer des Konzerts, das Werk „Cathédrales“ des legendären blinden Notre-Dame-Organisten Louis Vierne (1870-1937), ist eine tiefe Verneigung vor der sakralen Architektur und spirituellen Atmosphäre der Pariser Kathedralen. Majestätische Klangmassen erklingen hier im Dialog mit flehenden, harmonisch mehrdeutigen Motiven, welche die Kämpfe und Suchbewegungen der menschlichen Seele erahnen lassen. Notre-Dame ist zweifellos die berühmteste gotische Kathedrale der Welt, die dieses Programm mehrfach reflektiert. Hier steht auch eine der grössten Cavaillé-Coll-Orgeln mit fünf Manualen und 87 Registern. Louis Vierne war insgesamt 37 Jahre Organist von Notre-Dame, und sein Schaffen ist untrennbar mit diesem Instrument und diesem Ort verbunden.
Henri Mulets (1878–1967) Zyklus „Esquisses Byzantines“ ist von der Sacré-Cœur in Paris inspiriert, neben der der Komponist aufwuchs. Die im romanisch-byzantinischen Stil erbaute Basilika sticht dank ihrer weissen Farbe und ihrer Lage hoch oben auf dem Montmartre-Hügel aus der Pariser Silhouette hervor. Mulets Sammlung zeichnet farbenprächtige musikalische Bilder mancher Details des Heiligtums. Eines der bezauberndsten des zehnteiligen Zyklus ist das fein gewebte „Rosace“, das den Zuhörer das göttliche Lichtspiel eines Buntglasfenster vor Augen führt. Auch Mulets Kompositionsstil war eng mit der Cavaillé-Coll-Orgel des 19. Jahrhunderts verbunden.
Julien Brets (geb. 1974) musikalische Sprache führt uns in die Gegenwart. In seinem Zyklus „Images de Paris“ nimmt er den Hörer mit zu verschiedenen Pariser Sehenswürdigkeiten, vom Gare Saint-Lazare und Pont-Neuf bis zum Eiffelturm. Es ist ein farbenfroher Spaziergang durch das pulsierende Leben und den historischen Charme der Pariser Strassen. Brets Umgang mit der Orgel ist geistreich und humorvoll; mitunter klingt sie wie ein Akkordeon oder eine Drehorgel. Julien Bret ist Organist an der Kirche Saint-Ambroise in Paris.
Das Programm endet mit Pierre Cochereaus (1924–1984) „Suite Française“, die 1973 als Improvisation in Notre-Dame entstand und von François Lombard transkribiert wurde. Cochereau war ein weltberühmter Konzertorganist und brillanter Improvisator. Seine Improvisationen basierten oft auf französischen Volksweisen, welche die reiche Kulturgeschichte widerspiegeln, die noch heute in den Melodien der Pariser Strassen (darunter der Marche des Rois) erklingen. Cochereau war fast 30 Jahre lang Organist an Notre-Dame in Paris, und so schliesst sich ein Kreis: Bienvenue!
INES MAIDRE studierte Klavier und Orgel am Staatlichen Konservatorium Tallinn, wo sie 1985 ihre Studien mit Auszeichnung absolvierte. 1989-1991 setzte sie ihre Studien bei Prof. Daniel Roth in Paris fort, welche sie mit dem Prix d’Excellence avec felicitations abschloss. 1994-1998 studierte sie Cembalo und Barockinterpretation an der Grieg-Akademie in Bergen, wo sie heute als Orgeldozentin tätig ist. 1991 gewann Ines Maidre beim Concours Musicale d’Ile de France den ersten Preis. Seither hat sie in ganz Europa, Lateinamerika und USA konzertiert, auch bei vielen internationalen Festivals. Die Beschäftigung mit historischen Aufführungspraxen bei alter Musik und virtuose Souveränität bei der Interpretation romantischer und zeitgenössischer Literatur zeugen von Maidres hoher musikalischer Kompetenz und geben ihrem Repertoire imponierende Vielseitigkeit. Zusammenarbeit mit verschiedenen Solisten und Ensembles wie z.B. mit Gregorianischem Gesang, Tanz, Schlagzeug, Harfe, Streicher und Synthesizer resultierte in einer Reihe erfolgreicher Konzerte mit originellen Programmen. Unter Leitung von Dirigenten wie Neeme Järvi, Martin Fischer-Dieskau u.a. war sie Solistin bei verschiedenen Konzerten für Orgel und Orchester (Poulenc, Jongen, Barber, Kapp, Lepnurm). Ihr Spiel ist dokumentiert auf mehrere CD’s die von Toccata Classics, Grappa, Antes, Forte, Eres, Carillon Music ausgegeben sind.
Church
Münsterpl. 9, 4051 Basel, 4051 Basel
Protestantisches Gotteshaus im gotischen Stil aus dem 9. Jh. mit Doppeltürmen und Ziegeldach.